Iris Bouhra – Freie Autorin

Bezness – Das Geschäft mit den Touristinnen

 

Das Wort Bezness ist ein Kunstwort. Es setzt sich aus den Wörtern ‚Beziehung‘ und ‚business‘ zusammen. Anhaltende wirtschaftliche Not und die Sehnsucht nach einem besseren Leben bringt die tunesischen (marokkanischen, ägyptischen und türkischen) Männer dazu, europäische Frauen auszubeuten. Die armen Tunesier täuschen den Frauen leidenschaftliche Gefühle vor, schwören ewige Liebe und machen ihnen so schnell wie möglich einen Heiratsantrag. Die Ärmsten der Armen wollen auch etwas abbekommen vom großen Kuchen, der sich Wohlstand nennt. Außerdem wollen sie frei leben. Sie sprechen die Frauen überall an: auf der Straße, am Strand, im Bus, im Hotel und beim Einkaufen. Sie nutzen jede Gelegenheit, um mit den Touristinnen ins Gespräch zu kommen. Sie wollen wissen, wie das Leben in Deutschland ist und sie erzählen von ihrer Sehnsucht, dort zu leben und zu arbeiten.

In der Regel ist der Versuch, ihnen erklären zu wollen, dass sie in Deutschland keine paradiesischen Zustände vorfinden werden, sinnlos. Wenn man ihnen von drohender Arbeitslosigkeit und Einsamkeit erzählt und davon, dass sie in der Fremde vielleicht ihre Freunde und die Familie vermissen werden, werden sie das nicht glauben. Die Sehnsucht nach einem leichteren Leben und ein bisschen Freiheit ist größer als die Bereitschaft, sich mit der deutschen Realität auseinanderzusetzen.

Vielleicht denken sie: Wenn ich erstmal da bin, wird alles gut oder: Bei mir wird es anders sein. Vielleicht denken sie gar nicht viel darüber nach, sie wollen einfach nur weg aus ihrer Heimat und dem damit verbundenen Elend, um eine Chance für eine lohnenswerte Zukunft zu haben. Um dieses Ziel zu erreichen, bietet sich eine europäische Urlauberin an. Ganz oft versuchen die Männer, über eine Vaterschaft eine Ehe zu erzwingen und somit ins gelobte Land einreisen zu dürfen. Was für eine Ignoranz gegenüber Aids und potenziellen Geschlechtskrankheiten!

Die Masche ist immer dieselbe: Die Männer erzählen von ihrer Mutter, die dringend operiert werden muss, von einem herzkranken Bruder oder einem dringend notwendigen Krankenhausaufenthalt und fordern dafür einen größeren Geldbetrag. Auch Geldforderungen für eine teure Zahnbehandlung oder für angeblich dringend benötigte Medikamente gehören zum Repertoire der Männer. Ein ganz alter Trick ist der Freikauf vom Militärdienst: In diesem Fall fordert der Mann viel Geld von seiner deutschen Freundin, um sich vom plötzlich erhaltenen Einberufungsbescheid freizukaufen, da er angeblich die alleinige finanzielle Verantwortung für die Familie hat. Selbst minderjährige Jünglinge scheuen nicht davor zurück, erwachsene Urlauberinnen anzusprechen.

Ganz oft setzt sich die Unterhaltung nur aus auswendig gelernten Phrasen zusammen, die von den Männern geschickt eingesetzt werden, um ihre Ziele zu verfolgen. In erster Linie suchen sie das bisschen Spaß oder ein Visum nach Deutschland und ein wirklich lebendiges Gespräch kommt nur sehr selten zustande. Hinter ihrem vordergründigen tunesischen Charme verbergen die Männer ihr Profitdenken.

Unter den genannten Umständen ist es für eine allein reisende Frau nahezu unmöglich, in Tunesien entspannt Urlaub zu machen. Unerwünschter Männerkontakt ist jederzeit und an jedem nur erdenklichen Ort vorprogrammiert. Selbst wenn die Frau sich zurückhaltend verhält und „zivilisiert“ kleidet, ist es kaum möglich, in der Öffentlichkeit irgendetwas in Ruhe zu tun. Durch ihre bloße Anwesenheit (weiblich und allein reisend) wird die europäische Frau zum Objekt der männlichen Aufmerksamkeit (und Begierde).

Die tunesischen Männer „lauern“ überall und lassen nichts unversucht, um mit der Frau „in Kontakt“ zu treten und es ist nahezu unmöglich, allein und ungestört in einem Café zu sitzen oder spazieren zu gehen, ohne dass ein Einheimischer versucht, sich mit ihr zu verabreden. Insbesondere am Strand häufen sich eindeutige Angebote, die mitunter in physischen Belästigungen ausarten und selbst das Hotelpersonal scheut nicht davor zurück. Dieses Verhalten kann einen Urlaub ruinieren. Anfangs mag es noch verwunderlich erscheinen und man amüsiert sich darüber, doch durch die Form von „Daueranmache“ kann eine Frau sich sehr schnell belästigt fühlen und es ist einfach nur noch anstrengend und nervig. Vielfach wollen oder können die Männer einfach nicht nachvollziehen, dass nicht alle Frauen auf eine Urlaubsromanze aus sind, sondern einfach nur Erholung suchen.

Sicher sind nicht alle tunesischen Männer sexbesessene Machos, doch entspricht der in diesem Text dargestellte Inhalt leider der Realität. Die starke Fokussierung der Männer auf sexuelle Handlungen ist meiner Meinung nach einerseits auf einen Alltag zurückzuführen, der von Entbehrungen und der Verleugnung menschlicher Grundbedürfnisse geprägt ist. Auf der anderen Seite mag auch die Erfahrung, dass zahlreiche Europäerinnen explizit nach Tunesien reisen, um dort ihre sexuellen Bedürfnisse mit einem jungen Tunesier auszuleben, dazu beigetragen haben, dass eine allein reisende Frau von den einheimischen Männern zunächst einmal in diese Kategorie eingeordnet wird.

Diese simple Logik männlichen Denkens spiegelt sich insbesondere in ihrem einfachen Sprachstil wider und die Männer machen sich keine Mühe, um ihre Ziele zu verbergen.

Der Tourismus hat die tunesische Volkswirtschaft seit vielen Jahren entscheidend mitgestaltet und dadurch den Alltag der Menschen auf vielfältige Weise prägt. Der Tourismussektor repräsentiert einen kleinen und bedeutsamen Ausschnitt der tunesischen Realität – und steht zugleich stellvertretend für die Not des gesamten Landes. Durch die Urlauber wird den Einheimischen ein verzerrtes Bild von Europa vermittelt, ein Bild vom vermeintlichen Wohlstand. Diesen „Wohlstand“ bekommen die Menschen Tag für Tag vorgeführt, ohne selbst daran teilhaben zu können. Stattdessen arbeiten sie in prekären Beschäftigungsverhältnissen ohne realistische Aussicht auf Verbesserung ihrer Lebensumstände und die Sehnsucht nach etwas Glück und ein bisschen Lebensqualität ist ihr ständiger Begleiter.

Auch durch den sogenannten “Arabischen Frühling” hat sich für die Menschen in Tunesien und Ägypten bislang wirtschaftlich nichts verbessert und die Männer versuchen weiterhin, durch die wenigen Touristinnen, die noch in ihr Land reisen, einen Weg nach Europa zu finden.

 

Die Webseite www.1001geschichte.de („Europas größte Plattform im Kampf gegen Bezness/gegen Bezness und Ehebetrug“, Zitat Webseite) bietet betroffenen Frauen in einem anonymen Forum Gelegenheit, sich auszutauschen und Hilfe zu holen. Auch kann man in zahlreichen Fallbeispielen nachlesen, wie „orientalische“ Männer (Tunesier, Marokkaner, Ägypter und Türken) (europäische) Frauen materiell und emotional ausnutzen.