Iris Bouhra – Freie Autorin

Glaubensgrundlagen

 

Nach islamischem Selbstverständnis ist der Islam keine vollkommen neue Religion. Vielmehr stellt diese Religion für den gläubigen Muslim den Abschluss derselben Grundwahrheit dar, die Gott zuvor durch all seine Propheten allen Völkern offenbart hatte und die sich bereits im Juden- und Christentum manifestiert hat. Die herausragenden Gestalten der Prophetengeschichte sind Abraham (Ibrahim), Moses (Musa), Jesus und schließlich Muhammad. So setzte Muhammad nach islamischen Glauben die Reihe der von Gott auserwählten Propheten fort und beendete sie. Als der endgültig letzte von Gott gesandte Prophet wird er auch als das Siegel der Propheten bezeichnet. Der Islam wurde jedoch nicht von Muhammad, sondern von GOTT (ALLAH) selbst begründet.

Muhammad wurde im Jahre 570 in Mekka geboren und starb 632 in Medina. Seine erste Offenbarung erhielt er im Alter von 40 Jahren im Fastenmonat Ramadan.

Islam bedeutet Hingabe an den Willen Gottes. Frieden mit Gott,  mit sich selbst und mit den Geschöpfen Gottes. Diesen erlangt der gläubige Muslim durch Ergebung in Gottes Wille und Bindung an seine Rechtleitung. Hauptquellen des  religiösen Lebens der Muslime sind Koran, Sunna und Hadith.

Der Begriff Djihad lässt sich unterteilen in den „kleinen Djihad“ (Verteidigung des Lebens in Notfällen, z.B. durch die Bundeswehr) und den „großen Djihad“ (djihad akbar). Der große Djihad meint das persönliche Bemühen eines jeden gläubigen Muslims um Führung eines gottgefälligen Lebens. Er beginnt in der Kindheit und dauert bis zum Lebensende an. Die eigentliche Bedeutung des Begriffes Djihad hat also religiösen Charakter.

Der Islam verurteilt grundsätzlich jegliche Form von Gewalt, Krieg und Terror und das Leben eines wirklich gläubigen Muslims ist weit davon entfernt.
Der Koran (Qur`an=Rezitationsbuch) ist die wichtigste Glaubensgrundlage des Islam. Der Koran wird auch als „das viel zu lesende Buch“ übersetzt. Er besteht aus einzelnen Versen, die die 114 Suren bilden. Dieses heilige Buch begleitet den gläubigen Muslim sein ganzes Leben hindurch. Es enthält sämtliche Offenbarungen in der Originalform in arabischer Sprache, so wie sie dem Propheten Muhammad über den Engel Gabriel von Gott eingegeben wurden. Dabei handelt es sich um denselben Engel, der über 600 Jahre zuvor Maria in Nazareth erschienen war.

Der Koran wird immer unverändert und in der Offenbarungssprache Arabisch rezitiert. Die Predigtsprache kann variieren und richtet sich nach der Landessprache der jeweiligen Moscheegemeinde.

Die Sunna (Brauch/Tradition) beinhaltet die vorbildliche Lebensführung des Propheten Mohammed. In den Hadithen (Überlieferungen, die nach dem Tode des Propheten aufgeschrieben wurden) kann man nachlesen, wie sich der Prophet verhalten hat und was er zu den einzelnen Lebens- und Glaubensbereichen gesagt hat.

Muslime glauben an Allah, den einzigen Gott; alle seine Propheten (Adam, Abraham, Moses, Jesus und Mohammed); alle seine Bücher, die er offenbart hat (Thora, Psalter, Evangelien und Koran); das Leben nach dem Tod und das jüngste Gericht; das Schicksal, ob gut oder schlecht, das von Allah bestimmt ist; die Engel.

 

Die 5 Säulen bilden die Glaubenspraxis

Das Glaubensbekenntnis (shahada)

Mit dem Aussprechen des Glaubensbekenntnisses bezeugt der Gläubige, dass es außer Allah keinen anderen Gott gibt und dass Mohammed sein Gesandter ist. Mit Anerkennung des Glaubensbekenntnisses ist er automatisch zu Einhaltung der anderen vier Säulen verpflichtet.

Das Ritualgebet (salat)

Fünfmal täglich – bei Tagesanbruch, mittags, am Nachmittag, nach Sonnenuntergang und am Abend betet der gläubige Muslim in Richtung Mekka. Vor dem Gebet vollzieht der Gläubige die rituelle Waschung, damit er reinen Herzens und vom Alltäglichen befreit vor Allah treten kann.

Die Almosensteuer (zakat)

Der gläubige Muslim ist verpflichtet, alljährlich einen gewissen Teil von seinem Vermögen – soweit ihm dies möglich ist – an Bedürftige abzugeben.

Das Fasten im heiligen Monat Ramadan (saum)

Alljährlich fasten die Muslime 30 Tage lang im Monat Ramadan vom Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Tagsüber essen und trinken sie nichts und enthalten sich dem Geschlechtsverkehr. Der Sinn des Fastens ist es u.a. nachzuempfinden, wie es den hungernden Menschen auf der Welt geht um so Mitgefühl mit Armen und Bedürftigen zu erlernen. Das Abendessen (iftar) während der Fastenzeit gleicht oft einem Festessen. Es wird nach Sonnenuntergang eingenommen, vorzugsweise in Gemeinschaft.

Die Pilgerfahrt nach Mekka (hadj)

Einmal im Leben sollte der gläubige Muslim – wenn ihm dies möglich ist – zu den heiligen Stätten nach Mekka pilgern.

Die heilige Stadt der Muslime heißt Mekka. In der Mitte der großen Moschee von Mekka steht ein würfelförmiges Haus, die Kaaba. Zur Kaaba pilgern alljährlich gläubige Muslime aus der ganzen Welt. In der islamischen Tradition ist die Kaaba ein großes Heiligtum, denn sie gilt als „das erste Haus Gottes auf Erden“ (Sure 3:96). Die Propheten Abraham und Ismail gelten als ihre Erbauer. Ein darin eingemeißelter „schwarzer Stein“ soll von Muhammad selbst dorthin getragen worden sein.

Da Muhammad von seinen Gegnern in Mekka verfolgt wurde, wanderte er im Jahre 622 mit seinen Anhängern nach Medina aus. Die Auswanderung des Propheten wird Hidschra genannt. Mit der Hidschra beginnt die islamische Zeitrechnung.

 

Die beiden Hauptrichtungen des Islam

Nach dem Tod des Propheten Mohammed zerstritten sich die Gläubigen in der Frage seiner Nachfolge als Leiter der Gemeinde. Da sie sich nicht einigen konnten, bildeten sich schließlich die beiden Hauptrichtungen des Islam, die Sunniten und die Schiiten.

Als Sunniten werden die Anhänger der orthodoxen Hauptrichtung des Islam bezeichnet. Sie vertreten den Grundsatz, dass der Khalif (Nachfolger, Stellvertreter des Propheten nur im politischen  Sinne) aus dem Stamm des Propheten kommen muss. Sie orientieren sich in ihrem Glauben am Koran, der Sunna und den Hadithen. Die Sunniten bilden mit etwa 85 % weltweit die größere der beiden Richtungen. .

Die Schiiten (arab. „schi`a“ = Partei) mit weltweit 10 – 15 % bilden die zweite Hauptrichtung des Islam. Diese Richtung geht auf Ali, dem Schwiegersohn Mohammeds zurück. Ali war mit der Prophetentochter Fatima verheiratet und hat durch seine Söhne Hasan und Husain  das Blut des Propheten weitervererbt. Die Schiiten sind der Ansicht, dass der Imam (Führer der Gemeinde) nur ein direkter Nachkomme Alis sein durfte. Nach seiner Ermordung erkannten die Schiiten nur seine Söhne und deren Nachkommen als Khalifen an.

Der deutlichste Unterschied zwischen Schiiten und Sunniten besteht in der Frage der religiösen Autorität. Für die Schiiten stellen die Imame eine unfehlbare religiöse Autorität dar und sie haben das islamische Glaubensbekenntnis (der Glaube an den einzigen Gott und an seinen Propheten Mohammed) um die Verehrung der unfehlbaren Imame erweitert.

 

Das Tragen des Kopftuches (arab. hijab = Schleier) ist freiwillig. Der Koran gibt keine eindeutigen Hinweise auf eine Pflicht zur Verschleierung der Frauen. Es bleibt also den Frauen überlassen, ob sie aus religiöser Überzeugung das Kopftuch wählen oder nicht. Ein Kopftuch zu tragen kann individuell unterschiedliche Bedeutung haben. So kann es für die gläubige Muslima ein Symbol für das freie Bekennen ihrer Religion sein, das sie voller Stolz trägt. Durch das Kopftuch zeigt sie, welchen Weg sie gewählt hat und grenzt sich dadurch von anders- oder nicht gläubigen Frauen ab. Die gläubige Muslima will dadurch auch vermeiden, dass sie auf ihre äußere Erscheinung reduziert wird. Sie will als Frau aufgrund ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten respektiert werden. Für manche Frauen stellt es auch eine landesübliche Tradition dar, die sie aus ihrer Heimat übernommen haben.

 

(Quelle: Iris Bouhra, Islamisches Leben, Moscheen in Würzburg, 2008)