Iris Bouhra – Freie Autorin

Hilfen für Notleidende

Die Hilfsorganisation „Beiti“

(arab.: mein Haus, mein Zuhause)

 

Casablanca. Sie werden „petite bonne“ genannt, die Mädchen, die von ihren Eltern weggeschickt werden, um für die wohlhabenderen Familien des Landes zu arbeiten. Ihre Kleider sind zerlumpt und sie leiden oft Hunger, denn ihre Familien sind sehr arm. Sie gehen nicht in die Schule, stattdessen helfen sie ihren Eltern, um für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen. Frühmorgens ziehen schon die ganz kleinen Kinder mit ihren Vätern los, um die Müllhalden nach Metallteilen zu durchsuchen, die sie verkaufen können. Ganz oft sind ihre Eltern zu krank, um für den Lebensunterhalt ihrer Familie selbst zu sorgen.

Schlepper locken die Familien mit Geld und falschen Versprechungen. Mit dieser Form des „Menschenhandels“ verdienen sie sehr viel Geld. Die große Armut bringt die Eltern dazu, ihre Kinder gegen Geld in die Hände der Schlepper zu geben. Die kleinen Mädchen werden schließlich in die Häuser etwas wohlhabender Familien gebracht. Als sogenannte „petite bonnes“ (kleine Hausmädchen) landen die Mädchen im Alter von etwa neun Jahren in fremden Haushalten, wo sie hart arbeiten müssen. Anstatt zur Schule zu gehen und zu spielen gehört schwere Hausarbeit wie kochen, putzen, Wäsche waschen und Kinder hüten zu ihrem Alltag. Auch Schläge, körperliche und seelische Demütigungen sowie sexueller Missbrauch sind ein Teil dieses Lebens. Der Kontakt zu ihren Familien wird ihnen zusätzlich verwehrt.

„Sie hat mir die Haare abgeschnitten, jetzt sind sie ganz kurz. Vorher hatte ich sehr lange Haare. Sie hat mich beschimpft und schmutzige Dinge zu mir gesagt.“ (Salma, 11 Jahre)

Manchmal laufen die Mädchen in ihrer Verzweiflung weg, sie wollen zurück nach Hause. Doch dort werden sie häufig ebenfalls geschlagen und wieder in die Familie zurückgeschickt, oder in eine andere. Die Eltern der Mädchen sind ungebildet, sehr arm, häufig krank und seit langer Zeit ohne Arbeit. Die Tätigkeit ihrer Töchter als „petite bonne“ ist für die Familien oftmals die einzige Gelegenheit, um das eigene Elend etwas zu mildern. Denn die kleinen Geschwister haben auch Hunger, und so erhält die Familie durch die Arbeit der Tochter etwas Geld und sie haben einen Esser weniger im Haus.

Die Hilfsorganisation Beiti wurde von einer Ärztin gegründet. Heute werden in dieser Einrichtung mehr als 100 Kinder von 60 Mitarbeitern betreut. Beiti sorgt sowohl für das materielle als auch das psychische Wohl der Mädchen. Falls möglich, stellen die Mitarbeiterinnen von Beiti Kontakt zu den Familien der Mädchen her und sorgen dafür, dass sie zur Schule gehen.

 

 

Bericht über ein Frauenhaus in Agadir

 

Eine unverheiratete Mutter ist eine Prostituierte, die gesellschaftlich gebrandmarkt ist und damit zum Freiwild für die Männer wird. Häufig werden sie vergewaltigt. Doch auch verwitwete Mütter, die nicht wieder heiraten, werden gesellschaftlich gebrandmarkt. Die Frau wird von der Familie geächtet und der Kindsvater hat keine finanziellen Verpflichtungen gegenüber Mutter und Kind.

Münchner Merkur vom 24.4.2012: http://www.projekte-suedmarokko.de/images/SPS-Warmes_Nest_in_einer_kalten_Welt.pdf

 

 

Interview mit der Frauenrechtlerin Halima Oulami,

Leitung Frauenhaus Marrakesch

 

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/halima-oulami-im-gespraech-die-nachbarn-wissen-nicht-was-wir-hier-tun-12310468.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

 

 

Häusliche Gewalt in Marokko

 

Focus Marokko: Frauen in der marokkanischen Gesellschaft, 3., 22. Februar 2016: „In Marokko gibt es kein Gesetz, welches explizit und spezifisch häusliche Gewalt verbietet und bestraft.“

https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/internationales/herkunftslaender/afrika/mar/MAR-frauen-gewalt-d.pdf