Iris Bouhra – Freie Autorin

Mohammed aus Homs

 

Mohammed verfasste seinen Text im Original in englischer Sprache, ich habe ihn ins Deutsche übersetzt.

Hier geht es zum Beitrag in arabischer Sprache محمد من حمص

 

Mein Name ist Mohammed, ich bin 28 Jahre alt und komme aus Syrien. Meine Heimat kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, davon zeug(t)en wunderbare historische Gebäude und Denkmäler. In Syrien existierten der Islam, das Christentum und viele andere Religionsgemeinschaften friedlich nebeneinander.
Ich stamme aus Homs, der am drittstärksten besiedelten Provinz Syriens. In Homs lebte ein buntes Gemisch von Religionen und Kulturen friedlich zusammen. Meine Stadt war wunderschön, man könnte sie mit Würzburg vergleichen, da es dort ebenfalls einen Fluss gibt, die “Alase”

Schulbildung ist in Syrien kostenlos und für alle Menschen frei zugänglich, private Universitäten ausgenommen. In Syrien gibt es zahlreiche Universitäten. Nach meinem Abitur in Homs ging ich nach Damaskus, um dort  zu studieren. Nach dem Studium arbeitete ich als Programmierer in einer privaten Firma. Als Computer-Spezialist machte ich mich schließlich mit meiner eigenen kleinen Firma selbstständig. Ich reparierte Computer und bot andere Dienstleistungen wie Drucken und Werbung an. Mein Leben mit meiner Familie (dazu gehören meine Mutter, mein Vater sowie sechs Geschwister) war wunderbar.

Ich bin Muslim und für mich ist der Islam eine Religion der Liebe, Toleranz und Barmherzigkeit. So habe ich es durch den Koran gelernt und das Christentum gründet meines Wissens auf die selben Werte. In Syrien ist das Christentum nach dem Islam die zweitstärkste Religion und in meinem Land leb(t)en mehr als sieben Millionen Christen.

Am 29.11.2011 verließ ich Syrien. Ich habe alles verloren: Viele Freunde und zahlreiche Menschen, die ich geliebt habe. Warum? Wegen eines dummen Krieges!!!!!

Ich habe mein schönes friedliches Leben mit meiner Familie in Syrien nicht gerne verlassen, aber der hassenswerte  Krieg hat vor der Ruhe, dem Frieden und der Liebe nicht Halt gemacht und hat mich dazu  gezwungen, mein Land und meine Familie zu verlassen. Ich habe all meine Erinnerungen mit mir genommen, um von nun an in Frieden zu leben. Mein Weg führte mich zunächst nach Ägypten. Dort blieb ich etwa einen Monat, doch ich konnte nicht richtig Fuß fassen. So ging es weiter nach Jordanien. Aber ich hatte auch dort kein Glück: Ich konnte keine Arbeit finden und nach zwei Monaten entschied ich mich dafür, dieses Land in Richtung Türkei zu verlassen.In der Türkei lebte ich mehr als drei Jahre. Während dieser Zeit arbeitete ich in den unterschiedlichsten Berufen. Das Leben war sehr schwer, denn in der Türkei gewährt das Gesetz den Flüchtlingen, anders als in Deutschland, keinen zuverlässigen Schutz. So waren wir rechtlos und wurden überall ausgenutzt: Auf der Arbeit, bei der Wohnungssuche usw.

Nachdem ich meine  Arbeit bei einer Werbefirma in Istanbul verloren hatte, entschloss ich mich, noch einmal  ganz neu anzufangen. Aus einer Vielzahl von Gründen entschied ich mich für Deutschland, der Hauptgrund war humanitärer Natur. Im Juni 2015 verliess ich also die Türkei. Nach all der Hoffnungslosigkeit, die ich dort während der  vergangenen Monate durchlebt hatte, machte ich mich nun auf den Weg nach Deutschland. Von Izmir aus durchquerte ich das Meer mit einem kleinen Schlauchboot. Es dauerte sieben Stunden, bis wir die griechischen Inseln erreichten. Während dieser Stunden auf dem Meer habe ich so viel erlebt, dass ich allein darüber eine Geschichte schreiben könnte. Es dauerte noch 15 Tage, bis ich am 10. August 2015 endlich Deutschland erreichte.

Nun bin ich seit einem Jahr und vier Monaten in Deutschland und habe die ersten Schritte in ein neues Leben gemacht, habe etwas Deutsch gelernt und bin voller Hoffnung und Optimismus.Aber der Krieg muss aufhören!!!  Das deutsche Volk weiss, wovon ich spreche, denn es hat diese schlimme Erfahrung ebenfalls gemacht. Wenn wir eines Tages in unsere Heimat zurückkehren, nehmen wir all die Liebe, Zuneigung und Wertschätzung der deutschen Bevölkerung mit uns, die die Menschen uns hier entgegengebracht haben. Die Menschen in diesem Land haben uns geholfen, als wir  Hilfe dringend benötigten. Sie haben uns ihre Hand  gereicht. Die Geschichte erinnert sich an alles und das syrische Volk wird sich immer daran erinnern.