Iris Bouhra – Freie Autorin

Moschee und Gebet

Die Moschee 

Das Wort „Moschee“ entstammt dem arabischen Wort masdschid und bezeichnet den Ort, an dem der Gläubige sich niederwirft. Die Moschee ist das Gebäude für das gemeinsame Gebet der muslimischen Gemeinde. Sie ist für den gläubigen Muslim jedoch nicht nur Gebetsstätte, sondern auch ein Ort der Versammlung und Begegnung. In Deutschland ist die Moschee für die Gläubigen außerdem ein Ort, an dem sie Gelegenheit haben, die Sprache aus ihrem Herkunftsland zu pflegen. Jede Moschee verfügt über einen Waschraum für die rituelle Waschung vor dem Gebet. Die Moschee wird immer ohne Schuhe betreten.

Der Gebetsrufer (muezzin) ruft die Gläubigen vom Minarett aus (dem zur Moschee gehörigen Turm) zum Gebet, damit der Gebetsruf (adhan)) weit zu hören ist.

Die Gebetsnische (mihrab) ist der wichtigste Bestandteil der Moschee. Die Mihrab weist in  Richtung Mekka, der Gebetsrichtung der Gläubigen.

Die Predigtkanzel  (minbar) befindet sich rechts neben der Gebetsnische. Der Imam hält von dort seine Freitagspredigt, und zwar von einer der untersten Stufen. Nur der Prophet predigte von der höchsten Stufe.

Das Lesepult (kursi) trägt  den Koran, der sehr schwer sein kann. Von hier aus wird aus dem Koran vorgelesen (rezitiert).

Das Gebet

Den Mittelpunkt der islamischen Glaubenspraxis stellt das täglich fünf Mal zu verrichtende Ritualgebet dar. Da Gott allgegenwärtig ist, kann im Grunde jeder beliebige Ort als Platz für das Gebet dienen. Der Platz sollte jedoch rein sein. Aus diesem Grund beten viele Muslime auf einem Gebetsteppich. Vor Allah gilt es als besonders verdienstvoll, in Gemeinschaft zu beten. In einem Hadith heißt es dazu: „Das gemeinsame Gebet hat den 27-fachen Wert des allein verrichteten Gebets.“

Am Freitag, dem heiligen Tag, ist es für Männer Pflicht, das Mittagsgebet in Gemeinschaft in der Moschee zu verrichten. Das besondere am Freitagsgebet ist die Khutba (Predigt). Der Imam bereitet die Predigt zu einem bestimmten Thema vor. Dazu liest er der Gemeinde eine passende Koranstelle vor und erläutert, welche Bedeutung diese Aussagen für das praktische Leben der Gläubigen hat.

Die vorbildliche Lebensführung des Propheten Mohammed und die dazu passenden Hadithe können ihm dabei als Hilfsmittel dienen. Er ermahnt die Gläubigen zur Einhaltung der islamischen Pflichten und ermutigt sie, den wahren Glauben zu leben. Nach der Predigt folgt das Gemeinschaftsgebet mit Lobpreisungen Gottes und des Propheten Mohammed. Es gibt Sammlungen von Musterpredigten, die auch Koranverse vorbildhaft interpretieren.

Funktion, Aufgaben und Ausbildung des Imam  

Der Begriff „Imam“ stammt aus dem arabischen und bezeichnet „jemanden, der vorne steht“.

Wenn die Muslime in der Moschee gemeinsam beten, leitet immer einer von ihnen das Gebet,  indem er vorne steht, laut den Koran rezitiert und die Gläubigen, die hinter ihm stehen, synchronisieren ihre Bewegungen mit seinen. So wird die Person, die das Gemeinschaftsgebet leitet, Imam genannt. Die türkischen Muslime verwenden auch den Begriff „Hodscha“.

Für das gemeinsame Ritualgebet ist ein ausgebildeter Theologe nicht zwingend notwendig. Grundsätzlich kann jeder männliche Muslim das Gebet leiten, wenn der den Gebetsablauf und den dabei rezitiertem arabischen Text kennt. Auch sollte er sich durch eine gewisse Autorität auszeichnen. In der Praxis übernimmt diese Aufgabe also entweder ein Religionsgelehrter oder ein Laie.

Für das Halten der Freitagspredigt oder das Erteilen von Koranunterricht sind jedoch   fundierte religiöse Kenntnisse notwendig. Daher bemühen sich die Moscheegemeinden in der Regel, einen Theologen anzustellen, der eine anerkannte religiöse Ausbildung nachweisen kann. Imame können sowohl haupt- als auch ehrenamtlich tätig sein. Die finanzielle Situation der Gemeinde entscheidet darüber, ob sie sich einen festangestellten Geistlichen leisten kann. Imame sind Vorbeter, Prediger, Lehrer und religiöser Ratgeber der Gemeinde.

Bestattung der Verstorbenen

Muslime beerdigen ihre Toten grundsätzlich, Feuerbestattung wird im Islam abgelehnt, da sie als Hindernis für die leibliche Auferstehung der Toten gilt. Eingehüllt in ein weißes Tuch, werden die Verstorbenen auf die rechte Seite, das Gesicht in Richtung Mekka gewandt, in die Gräber gelegt. In den islamischen Ländern ist es üblich, die Toten sofort zu bestatten.

 

(Quelle: Iris Bouhra, Islamisches Leben, Moscheen in Würzburg, 2008)